PostHeaderIcon 20.10.2011: FC ZÜRICH - S.S. LAZIO 1:1 (1:1)

UEFA-Cup, Spielzeit 2011/2012

„Zurigo, Zurigo, Vaffanculo!“ ?

Das Derby della Capitale war immer noch allgegenwärtig, da sollte es bereits 4 Tage später in die Schweiz gehen, um Lazio auf einer seiner Europapokalreisen zu begleiten. Zürich war bereits Wochen zuvor für eine Stippvisite ausgesucht, bei welcher weniger der Fußball im Vordergrund stand, als vielmehr die Freude, alte Freunde wiederzutreffen. Über die Züricher Kontakte unseres beruflich bedingten nicht nur europäischen Tausendsassas, wurden für die Begegnung im UEFA-Cup die Karten im Wert von je 100,- CHF gesichert. Je nach Startpunkt reisten die Teilnehmer des Wiedersehenstreffens von Deutschland aus mit Auto, Bahn oder Flugzeug an. Der niveauvollste Teil der elitären Gemeinschaft hatte selbstverständlich auch für eine Übernachtungsmöglichkeit vorgesorgt.

Donnerstagmittag machte sich eine der Gruppen von Berlin aus mit dem Flieger in aller Ruhe in das südlichste deutsche Bundesland auf.  Zuvor gab es bei einem der Reise-Protagonisten noch eine Arbeitsbesprechung der etwas anderen Art. So bekommt man ab und an auch Gelegenheit, die große Toleranz so manches Arbeitgebers wirklich schätzen zu lernen. Nicht zu vergessen der firmeneigene Flughafentransfer, welcher keine Spannung, ob man den Flug noch in letzter Minute erreichen würde, offen ließ.

Nach einer mehr als guten Stunde Flugzeit war der Zielflughafen erreicht und ein kostenloser Hoteltransfer geleitete uns zur Unterkunft, in welcher wir schon herzlich von unserer Reisegruppe München erwartet wurden. Bevor die Zimmer in Beschlag genommen werden konnten, musste zur Wiedersehensfreude natürlich ein hopfenhaltiges Kaltgetränk zu sich genommen werden. Nachdem der erste Durst gelöscht war, machten sich die durchaus auch Kulturinteressierten auf den Weg in die Innenstadt, um dort nach Sehenswürdigkeiten Ausschau zu halten und eine Lokalität in Beschlag zu nehmen. Machte man sich noch über den Kauf eines Stadtplanes eines der Reisegruppenmitglieder lustig, war man nach weniger als 5 Minuten dankbar ob dieser weisen Voraussicht. Letztendlich landete man nach einem ausgiebigen Spaziergang und dem zwischenzeitlichen Verzehr von Schnellimbisswaren nichtamerikanischer Herkunft in einem Irish Pub. Dort war das Verweilen derart angenehm, dass mancher schon Überlegungen anstellte, dass anstehende Spiel nicht mehr besuchen zu wollen. Da man aber die Eintrittskarten bereits sein Eigen nennen konnte, fiel die Entscheidung letztendlich für den Besuch des Letzigrunds aus.

Mit der Straßenbahn gelangte man direkt zu den Toren der Arena. Vor dem Gästeblock hatte sich bereits eine stattliche Anzahl Schlachtenbummler eingefunden, welche Einlass begehrte. Unter diesen auch bekannte Gesichter aus allen Teilen Mitteldeutschlands. Indes, die Geographiekenntnisse der vorgenannten Herrschaften schienen teilweise sehr mangelhaft zu sein. Anders ist nicht zu erklären, warum man sich unter anderem mit lautstarken „Ostdeutschland“-Rufen Gehör verschaffte. Schätzungsweise füllten nicht ganz 1000 Lazioliebhaber die Nordkurve des Zürcher Stadions. Insgesamt war die Partie mit fast 11.000 Zuschauern nur spärlich besucht. Einige Gäste-Kiebitze machten sich sogleich mit dem Ordnerdienst bekannt, was der im Allgemeinen entspannten Atmosphäre allerdings keinen Abbruch tat.

Das Spiel beginnt mit nur wenigen Torraumszenen und bietet so ausreichend Zeit und Gelegenheit, sich sowohl mit bekannten Landsleuten als auch bekannten Landräubern auszutauschen. In der 22. Minute werden die freundschaftlichen Gespräche kurzzeitig gestört, als Sculli im Anschluss an eine Ecke zum 1:0 für Lazio trifft. Für die Registrierung und Freude über dieses Ereignis bleibt kaum die Zeit, denn keine Minute später egalisiert der Zürcher Nikci nach einer schönen Kombination mit einem platzierten Schuss zum 1:1. Beiden Mannschaften ist hoch anzurechnen, dass sie den auf den Rängen stattfindenden Gedankenaustausch nur kurzzeitig und zudem so kompakt störten. Zwar war der FC Zürich in Hälfte 1 nach seinem Ausgleichstreffer die bessere Mannschaft und hatte auch Möglichkeiten, wiederholt den Ball im Netz unterzubringen. Doch es blieb beim 1:1. In Halbzeit 2 lagen die Chancen zum Sieg bei den Laziali. Doch der italienische Torhüter im Tor des FCZ war eine echte Bank, welcher gegen Cissé und Kozak zwei Glanzparaden zeigte. Das Ergebnis wurde dem Spielverlauf durchaus gerecht.

Im Anschluss an die Begegnung suchte man noch eine Bar in der Zürcher Innenstadt auf, welche von einer dort lebenden und einem unserer Jungz bekannten Dame empfohlen wurde und in welche sie uns auch freundlicherweise begleitete. So konnten wir bis weit in die Nacht hinein unsere Franken sinnvoll investieren und schlussendlich resümieren, dass wir mit den Rufen unserer römischen Freunde im Stadion, „Zurigo, Zurigo, Vaffanculo!“, nicht konform gehen.

-Borstel-