PostHeaderIcon 16.10.2011: S.S. Lazio - AS Roma 2:1 (0:1)


Serie A, 7. Spieltag

Violenza a Roma e grande Lazio

Während in deutschen Landen der Herbst nun auch spürbar Einzug hielt, Gilbhard sich nichtsdestotrotz in diesen, unseren Regionen nach wie vor, mit einigen wenigen Unterbrechungen, von seiner schönsten Seite zeigte und weiterhin zeigt, war es wieder an der Zeit, eine Kurzreise in die ewige Stadt anzutreten. 4 Tage standen dem Reisenden zu seelischer Entspannung und kulturellem Genuss zur Verfügung, flankiert von puren Emotionen und Leidenschaft in Form des Derby della Capitale.

Am frühen Freitagmorgen des goldenen 14. Oktobers hob ein Luftfahrzeug von Berlin-Schönefeld ab, um den Verfasser dieser Zeilen nach Bella Roma zu bringen. In Fiumicino gelandet, wählte man einen Bus aus, welcher nach Werbung des ihm eigenen Betreibers für 10 € alle Ziele in Rom anfuhr. Demnach auch, so zumindest die logische Ableitung aus den eigentlich nicht falsch zu verstehenden, groß leuchtenden Lettern „10 € to all destinations“ und der bestätigenden Antwort auf die persönliche Nachfrage, auch das Wochen zuvor gebuchte und je Nacht 55,- € kostende Hotel auf der Via Prenestina. Zudem hatte man die Jahre zuvor mit dieser Art der Wegbeschreitung von Ciampino aus immer sehr gute Erfahrungen gemacht. 15 Minuten später befand man sich zusammen mit einem Ruhestandspärchen aus Milwaukee, das mit dem Besuch Roms den letzten Punkt seiner mehrwöchigen Europareise absolvierte, sowie 2 mürrischen, morgenmuffelnden, aber anscheinend dennoch sehr verliebten Engländern auf dem Weg ins Zentrum. Aufgrund vorgenannter Beschreibungen,  fiel es nicht sehr auf, dass bei dem ersten Stopp und der Ausladung der Engländer ihre Mürrischkeit omnipräsent war, gepaart mit leicht steigerungsfähiger Gereiztheit und regem Diskussionsbedarf. Die eigene Erkenntnis folgte einige Augenblicke später, als man selbst für die Fahrt nunmehr 40,-€ berappen sollte. Nach dem freundlichen Ausschöpfen sämtlich bekannter italienischer Schimpfwörter, gab man großzügig nach und wusste, diesem Anfängerfehler kein zweites Mal zu unterliegen. Zu diesem Zeitpunkt stand für die Rückreise die Nutzung des Zugs zum Flughafen für 15,- € bereits fest.

Von einer freundlichen Asiatin, welche nur der italienischen Sprache mächtig war, wurde man herzlich in der Unterkunft begrüßt. Nachdem das Gepäck im Zimmer abgestellt war, ging es sogleich per pedes auf einen ausgiebigen Stadtbummel. Herrlichstes Sonnenwetter begleitete diesen Tag. Der erste Espresso; auch wenn es schon 10.00 Uhr war und mittlerweile Zeit für einen Cappuccino; nebst Cornetto wurde auf den Stufen der Basilica di Santa Maria Maggiore am Piazza dell‘Esquilino eingenommen. Derart verstärkt ging es anschließend unter anderem zu einem jeweiligen Verweilen an Colosseo, ins Foro Romano und zum Fontana di Trevi. Die Zeit verging schnell und es wurde Abend in Rom. Dem Ruf des Magens wurde noch nachgegeben, bevor es zurück ins Hotel ging.

Sonnabend, der 15.10.2011 in der ewigen Stadt. Wieder herrliches Wetter in Roma, welches für einen Ausflug zur Cappella Sistina genutzt werden sollte. An der Via Cavour angelangt, entstand der Eindruck, es hätten an diesem Tag noch mehr Menschen die Idee eines solchen Ausflugs. Unzählige Winkelemente, welche die große Zuneigung der Delinquenten zu längst vergangenen Tagen zum Ausdruck brachte, dienten den anderen Kulturinteressierten augenscheinlich als Orientierungshilfe vor Ort. Die weltbürgerliche Weitsicht und Liebe zu Teilen Deutschlands  der sich in Rom eingefundenen Gesellschaft der Gegner von Bankwesen und Finanzindustrie, wurde mit Kleidungsstücken, die mit Berlin, Friedrichshain oder wahlweise St. Pauli bedruckt waren, zum Besten gegeben. Emotionsgeladen wurde kurz nach Beginn des Gruppenspaziergangs das Feuer der Leidenschaft entfacht und die ersten, ein Hotel zierende, Fahnen, entflammt.  Indes, die kommunistische Demonstration eines Millionenheeres, gesäumt mit der Liebe zum Detail der hier allgemeingültigen Attitüde, welche sich wenig später in brennenden Autos, einem ebensolchem Haus und zerstörten Geschäften zeigte, führte dazu, dass es 8 Stunden lang kein Rauskommen aus dem inneren Ring gab. An ca. 10 Polizeiabsperrungen gab man bekannt, auch für Touristen und Nichtdemonstrationsteilnehmer bleibt die Absperrung aufrecht. Dafür konnte nicht nur einem am Boden zerstörten Inhaber eines Feinkostladens, welcher verloren in den Trümmern der Zerstörungswut saß, etwas Trost gespendet werden. Solche Art Fürsorge kam allerdings nicht überall gut an und so konnte man neue Schimpftiraden in sein Italienisch-Repertoire aufnehmen. Wenn man schon nicht die Cappella Sistina erreichen konnte, so jedoch seine Bildung erweitern. Der Versuch, dem Treiben irgendwie zu entkommen, führte zur Metrostation San Giovanni. Kaum dort, klingelte auch schon das Telefon. Für den Abend war man mit seinem italienischen Freund zum Essen verabredet. Dieser teilte nun mit, falls man sich im Stadtgebiet von Rom aufhalte, unbedingt den Bereich um die Metrostation San Giovanni zu meiden. Nun, dieser freundliche Hinweis kam etwas zu spät. Tränengas geschwängerte Luft zog durch die Gassen; die nächste Querstraße rechts und der lebensechte, plastische Nachbau eines Barrikadenbildes aus 1848 wurde dem Auge geboten; Polizei und Spaziergänger im intensiven Dialog miteinander. Der Termini wurde über Umwege erreicht und man fuhr mit der Metro einige Stationen, bevor der Gastgeber freundlicherweise mit dem Auto abholte und gemeinsam nach Genzano di Roma gefahren wurde, um in einer Trattoria die italienische Küche zu genießen. In einem Pub fand der Abend letztendlich einen schönen Ausklang.

Sonntag, der 16.10.2011, stand an. Derbyzeit in der ewigen Stadt. Und wieder einmal ein Abendspiel, was für die Stimmung im Rund nur von Vorteil sein kann. Die Zeit davor sollte noch genutzt werden, um die tags zuvor verpasste Gelegenheit, Michelangelos Deckenmalerei zu sehen und Geschichte zu spüren, nachzuholen. Jedoch hat das Musei Vaticani sonntags geschlossen, so dass nur ein Besuch der Engelsburg als Alternative blieb. Nach diesem kurzen Kulturabstecher ging es noch einmal in die Unterkunft, um eine Stunde lang der Müdigkeit Tribut zu zollen. Für 1,- € besteht in Rom die Möglichkeit, alle öffentlichen Verkehrsmittel für die Dauer von 90 Minuten zu nutzen. Diese wurde auch genutzt, um mit dem 910er Bus und dem Billet für die Tribuna Monte Mario im Gepäck, zum Olympiastadion zu gelangen. Schon im Vorfeld dieser innerstädtischen Begegnung deutete alles darauf hin, dass dieses Derby im Rund seit Jahren endlich wieder insgesamt sehr emotionsgeladen und von leidenschaftlicher Stimmung begleitet sein wird. Die Curva Nord war in Windeseile ausverkauft.

Lazio seit etlichen Monden wieder mit einer schönen Choreographie vor Spielbeginn. Die Curva Sud präsentierte ihrerseits ordentlich Rauch in Stadt- und Vereinsfarben. Fantastisch. Die Laziali zeigen mit einem gottesehrfürchtigen Doppelhalter eindeutig, welche Nationalität sie ihrem neuen Liebling Miroslav Klose zweifelsfrei zugestehen. Das Spiel beginnt und die Biancazzurri setzen die ersten Akzente. Doch auch in dieser Saison hat Lazio eine Abwehr, welche den Namen nicht verdient. Nach nur 5 Minuten nutzt dies die Roma zu einem Spaziergang durch die Hintermannschaft und vollendet durch Osvaldo zum 0:1. Lazio steckt nicht auf und wehrt sich gegen eine erneute Niederlage in diesem prestigeträchtigen Derby. Die Partie ist ausgeglichen, Möglichkeiten zum Torerfolg auf beiden Seiten, mit leichtem Vorteil für Lazio. Allerdings werden hochkarätige Chancen kläglich vergeben. Klose ist irgendwie nicht richtig auf dem Platz. Das merkt auch das Publikum und kommentiert dies entsprechend.  Mit dem 0:1 geht es in die Pause. Nach dem Wechsel will Lazio es wissen und drückt, spielt sich Torchance nach Torchance heraus – bis in  der 51. Minute Brocchi im Strafraum gefoult wird, Kjaer für die angebliche Notbremse das Feld verlassen muss und Hernanes in der 52. Minute durch den fälligen Strafstoß die Führung der Roma egalisiert. Grande! Nun spielt nur noch die gastgebende Elf.  Und doch, die Roma hat durch zwei, drei Konter durchaus die Möglichkeit, mehr als die Hälfte der im Stadion befindlichen Zuschauer ins Tal der Tränen zu stürzen. Dies geschieht nicht. Die Heimelf testet darauffolgend immer wieder Mal die Standfestigkeit des Torrahmens, indem man das Spielgerät gegen Pfosten oder Latte hämmert. Nichts passiert, kein Tor fällt. Auch nicht um. 90 Minuten sind fast heruntergespielt, den Laziali auf den Rängen kann man ihre Enttäuschung ansehen, man kann sie fühlen. 3 Minuten  Nachspielzeit werden angezeigt, ein kleiner Hoffnungsschimmer blitzt auf. Dieser verfliegt immer mehr, je schneller die Uhr läuft. Die angezeigten Minuten sind vorüber, einige Kiebitze verlassen das Stadion bereits, in jedem Augenblick pfeift der Unparteiische ab. Erneut hätte Lazio ein Derby nicht für sich entscheiden können, zum sechsten Mal hintereinander. Zumindest dieses Mal nicht verloren. Doch Matuzalem hat den Ball vor der Strafraumgrenze unter seine Kontrolle gebracht, schlenzt diesen zum Chancentod Klose, der sich im Bereich des Elfmeterpunktes aufhält. Tatsächlich….er schafft es, den Ball anzunehmen… kurze Drehung, Schuss …. TOR! Auf den Rängen brechen alle Dämme. Glückseligkeit, Leidenschaft, Tränen der Freude - Emotionen pur. Wenig später ertönt der Schlusspfiff. Welche Freude!

Der Abend schließt bei einem Espresso am Brunnen des Piazza della repubblica und angenehmen 18 Grad Celsius um 2.00 Uhr morgens.

Grande Lazio e ci vediamo presto Roma...

Borstel

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