PostHeaderIcon 03.06.2011: Österreich – Deutschland 1:2

Donnerstag

11:30 Uhr: Nachdem der erste Teil der Reisegruppe schon am frühen Morgen los ist, treffen wir uns in Leipzig-Nord. Reisegruppe Störmthal wie üblich zu spät, mit Hansa-Schal und Bier in der Hand. Wir wollen losfahren, Herr Me. fragt telefonisch nach dem Weg.

14:00 Uhr: Autobahndreieck Hof, Herr Me. fragt telefonisch nach dem Weg. Irgendwann später treffen wir die Autobesatzung bei McD; wir kommen ohne Vorfälle auch wieder von dort los. An der Grenze zu Österreich interessiert sich niemand für irgendwelche Einreisenden; gleiches Bild auch bei allen anderen, egal ob diese per Flugzeug, Schiff, Zug, Auto oder Bus anreisen. Freie Fahrt für freie Bürger.

16:00 Uhr: An einer österreichischen Raststätte bekommen wir einen ersten Eindruck von den Eingeborenen. 3er BMW, ohne jede Not mit quietschenden Reifen losgefahren, ganz toll, großer Held. Das lässt einiges für den morgigen Tag erwarten.

18:30 Uhr: Einchecken in unserem Hotel direkt neben Prater/ Messe. Für in Wien günstige 44 Euro pro Person gibt es ein sauberes Zimmer mit Blick auf das Praterstadion, TV, Bad, Toilette und 2 separate Betten. Reisegruppe Störmthal landet für 10 Euro pro Person weniger in einer kaukasischen Buchte ohne TV und mit einer toilettenähnlichen Sammeleinrichtung auf dem Flur.

20:00 Uhr: Kurzes Schlendern über den Prater, nix aufregendes an Personen. Wir lassen uns in Hansys Lokal hinter dem Praterstern nieder. Nach kurzer telefonischer Verständigung, wo wir sitzen, kommen die 4 Lok-Störmthal-Hansa-Fans hinzu, später kommt noch die zeltende Reisegruppe um Herrn Ma. dazu. Schweinebraten, Schnitzel, Bier, Radler und ein seine Gäste bepöbelnder Wiener Kellner, großer Sport.

21:30 Uhr: Herr R. meldet sich, man musste gerade mit 8 Leuten einigen Leuten mehr aus dem Wege gehen. Später stellt sich heraus, dass die anderen Dresden und Erfurt waren. Das Chaos, wer ist wer, setzt sich die nächsten 24 Stunden aufgrund mangelnder Kennzeichnung der jeweiligen Sportgruppen fort. Länderspiele gegen Frankreich sind da auf der Straße einfacher zu managen.

Nacht: Die einen schlafen, andere finden die Disko mit den 50 Euro fürs Nackttanzen nicht, andere Leipziger räumen in der Innenstadt erst einmal aufmüpfige Wiener Sportfreunde und Teile der zugehörigen Lokaleinrichtung weg. Ja, ein Länderspiel mit richtigen Gegnern ist schon was anderes als ein Wiener Derby.

Freitag 10:14 Uhr: Verabredung für um 10 an unserem Hotel funktioniert natürlich nicht. Herr Me. fragt telefonisch nach dem richtigen Weg. Wir fahren in der Zwischenzeit bissel umher, spekulieren auf unseren EM-Parkplatz. Dieser ist heute jedoch zu, sodass wir uns im Einkaufszentrum direkt am Stadion platzieren.

10:30 Uhr: Prater, Stadion, Handelskai, genügend Anhaltspunkte den Treffpunkt zu finden, jedoch offensichtlich nicht genügend für jeden. Warum muß man bei der Fahrerlaubnis eigentlich keinen Orientierungssinn nachweisen?

11:02 Uhr: Jetzt hamses! Kurz vor dem Aufgeben einer Vermisstenanzeige treffen die 4 auch im Parkhaus ein. Kann es jetzt losgehen? Natürlich nicht, erst einmal alle auf die Toilette.

11:15 Uhr: Wir treffen auf einen optisch ziemlich abgerissenen Bürger (Deutscher? Österreicher?), der noch ein Ticket sucht. Nach dem Aufrufen völlig überzogener Preise durch uns zückt er ohne große Worte 2 grüne Scheine. Da wir in der ganzen Reisegruppe noch ein Ticket übrig hatten, zücken wir eins davon und fertig ist der Deal. Jetzt können wir uns sogar Tagestickets für die U-Bahn leisten und ab gehts zum Stephansdom.

11:45 Uhr: Wir telefonieren uns mit Herrn Ma. und seinen Leuten zusammen. Dieser hat sich mittlerweile auf das Dealen mit Eintrittskarten verlegt. Kurz danach tauchen Herr R. und seine Leute auf. Nach kurzem Rundumblick lassen sich alle in einem Lokal in einer Seitengasse nieder.

12:25 Uhr: Die Jugend muß unbedingt ein großes Bier bestellen und bekommt ein 2 Liter-Glas. Na dann mal Prost. Nach unserem Ratschlag spricht Herr Ma. ab sofort alle wohlanzuschauenden und –angezogenen Wiener Damen an, ob deren Papa noch ein Ticket für den Abend bräuchte und die Tochter somit sturmfrei hat. Manchmal gibt es dann doch schönere Dinge als Fussball.

13:43 Uhr: Telefonat mit einer Wien-Kennerin, wo wir ein vernünftiges Wiener Schnitzel herbekommen und was man hier so alles kaputtmachen kann. Ein leckeres Schnitzel bekommen wir, auch eine mittlere Cola zu sensationellen 5,20 Euro. Das mit dem Kaputtmachen kommt später.

15:00 Uhr: Spaziergänge durch Wien, Sortieren der Lage, Begrüßung diverser Leipziger und Hallenser Sportfreunde vor dem Bermuda-Bräu am Schwedenplatz. Sogar die Sportabteilungen Westdeutschlands haben im Gegensatz zu vorherigen Länderspielen Ausgang bekommen und sind zahlreich und teilweise beeindruckend vertreten.

15:30 Uhr: Cafebesuch in Wien. Junge Dame in sehr luftigem Kleidchen platziert sich neben uns. Ihre Begleitung ist (optisch gefühlt) mindestens ihr Vater. In Deutschland wäre das schon sehr aufgefallen, hier im Fritzl-Land fällt das nicht weiter auf, da hier sowieso Vater mit Tochter, Tochter mit Mutter, Sohn mit Mutter, ...

16:00 Uhr: Besucher aus einer Stadt 120 km östlich von Leipzig meinen ankündigen zu müssen, dass es dann mit Pyrotechnik auf die österreichischen Beamten losgeht. Schon von der Ankündigung her sinnlose Aktion, was sich später mit vielen Verhaftungen bestätigen sollte. Der denkende Teil der Reisenden verabredet sich für den Prater, um Österreicher zu suchen und zu finden.

16:10 Uhr: Eine weitere Leipziger Reisegruppe um Herrn B. trifft ein. Dieser hat gerade so Zeit, uns zu begrüßen, bevor er weiter pausenlos den Wiener Damen hinterherglotzt.

17:15 Uhr: Ein Unwetter geht los, vom Himmel her naht Abkühlung, in den Straßen um den Schwedenplatz erhitzen sich die Gemüter. Aufgrund des starken Windes fliegen Stühle und Schirme unkoordiniert umher, es blitzt und donnert. Später versucht man dies alles den liebreizenden deutschen Gästen in die Schuhe zu schieben. Wir verziehen uns in die U-Bahn und fahren Richtung Prater.

18:05 Uhr: Das Belauern auf dem Prater und vor dem Schweizerhaus geht weiter. Angesichts der mittlerweile dezimierten Deutschen versucht Österreich-Alt mit der Prater-Security ein gemeinsames Team aufzustellen. Da sich aber der Gegner wieder sammelt, gut durchmischt aus Jung und Alt, wird der Versuch wieder eingestellt. Elton kommt vorbei und wird herzlichst aus vielen Kehlen mit „Scheiß St. Pauli“ angeschrien.

18:20 Uhr: Die Ereignisse überschlagen sich. Ein Leipziger organisiert auf dem Pratergelände ein 50 gegen 50. 60 Sekunden später erlangen auch die Beamten Kenntnis von der erfolgten Verabredung. Diese rasen mit Blaulicht durch den Prater, die aufgewachten Zivis machen einen auf wichtig und die Wiener Stadtreinigung räumt die liegengebliebenen Österreicher weg.

18:31 Uhr: Der ehemalige 1.Vorsitzende des 1.FC Lokomotive Leipzig e.V. taucht in Familie auf und wird von vielen bekannten Gesichtern freundlich begrüßt. Daraus schlussfolgert die Polizei, dass er der Mobchef der Älteren sein muß und macht erst einmal Fotos. Fanprojekt, Mannschaftsleiter und Platzwart des 1.FC Lok treffen sich vor Ort zu einer Gesprächsrunde, wer als nächstes in Probstheida zurücktritt.

19:05 Uhr: Mist, zu spät. Wir haben Claudia Roth verpasst. Dafür haben die schon anwesenden deutschen Wähler ihr mit groben Worten mitgeteilt, was sie von ihr halten. Oder eher nicht halten, um es mal höflich zu formulieren! Vor dem Stadion suchen 4 Leute von 1870 München halbherzig Streit mit Eingeborenen. Wir stellen uns dahinter unterstützend auf, falls es schiefgeht. Seitlich postieren sich 15 Leute auch für den Fall, dass hier was los- oder schiefgeht. Nur hat wieder niemand eine Ahnung, wer wer ist und belauert sich. Lasst uns bitte gegen Italien spielen, die erkennt man wenigstens an der Körpergröße.

20:30 Uhr: Trotz verschiedener Blöcke aufgrund unserer Kartenhin- und herschieberei sitzen und stehen unsere Reisegruppen zusammen. Die Leipzig-Fahne hängt, die Hymne ist gesungen, die Ösis machen Lärm. Das „Wer nicht hüpft, ist ein Piefke“ wird von Leipzig mit „Wer bald blutet, ist kein Deutscher“ beantwortet.

20:35 Uhr: Unsere mitreisenden Ultras fallen unangenehm auf, indem sie die sonst durch uns verbreitete Ruhe und Gelassenheit durch Aufspringen, Mitklatschen und Rumsingen stören. So geht das nicht weiter, wir suchen sofort die Diskussion mit unseren Fanprojektmitarbeitern. Dabei kann man sich, auch bedingt durch den Stadionlärm, nicht zwischen „Ex-Ultras“ und „Drecks-Ultras“ einigen.

21:35 Uhr: Österreich macht durch ein Eigentor das 1:1 und lärmt „Sieg“. Die sind sogar zu blöd zu wissen, dass man für einen Sieg ein Tor Vorsprung benötigt. Deutschland antwortet mit „In Europa kennt euch keine Sau“.

22:15 Uhr: Ha ha ha, letzte Spielminute, 2:1 für Deutschland. Der zwischenzeitlich eingeschlafene Gästeblock wacht wieder auf und lärmt „Auswärtssieg“. Österreich heult und geht heim. Wir verabschieden unsere diversen Reisegruppen zum Kleinbus, zum Auto und zum Zelt.

22:35 Uhr: Vor dem Stadion schießt ein österreichischer Spion, getroffen von einer deutschen Hand, vor uns quer über den Vorplatz. In der Dunkelheit sammeln sich kleine Grüppchen und suchen den Weg durch die Nacht, mehrheitlich aber allen Gerüchten zufolge ohne echte Jagderlebnisse. Wir schlendern zum Parkhaus.

22:55 Uhr: Wir wären soweit, um loszufahren. Herr Me. fragt persönlich nach dem Weg. Wir fahren 10 Meter vor ihm aus dem Parkhaus, trotzdem ist er an der 2.Ecke verschwunden. Wir überlisten erfolgreich die tonnenweise aufgestellten Blitzer auf der Wiener Stadtautobahn.

Samstag 02:39 Uhr: Irgendwo in der Pampa fragt Herr Me. telefonisch nach dem Weg. Warum muß sich diese Scheiße eigentlich an jedem mickrigen Autobahnkreuz wiederholen?

03:41 Uhr: Jetzt hat Auto Me. angeblich einen Platten. Da unser Auto aber nur Vorwärtsgänge hat und wir 10 Minuten Vorsprung haben, können wir eh nicht helfen. Daraufhin fällt den 4en ein, dass ihr Auto doch keinen Platten hat. In der Hoffnung, dass die 4 den Weg zum und übers Kreuz Rippachtal allein schaffen, schalten wir unsere Handys aus.

06:00 Uhr: Wieder zu Hause. Ein sehr schöner, unterhaltsamer Ausflug mit vielen Reisehöhepunkten.